Battle 2014 /// TV kaputt, es lebe das Internet?

Erwiderung auf den Artikel von Gunnar Sohn:. „Vom Tod des Dalli-Dalli-Fernsehens – Jeder ist sein eigener Programmdirektor“

Wird Fernsehen sterben oder nicht? Wenn diese Frage einfach zu beantworten wäre, dann würde ich als das Orakel von Köln firmieren. Klar ist, dass ein deutlicher Wandel jetzt nicht geschieht, aber im Hintergrund viele TV-Verantwortliche über Veränderungen nachdenken. Warum muss sich das Fernsehen ändern? Das Durchschnittsalter des ZDF-Sehers beträgt 61 Jahre. Die Jugend schaut Bewegtbilder nicht mehr im Fernsehen sondern im Internet und darauf haben Private- und Öffentlich Rechtliche Sendeanstalten keine Antwort. Warum nicht? Weil sie keine wissen! Jetzt haben die jahrzehntelang nach Quote produziert und wissen immer noch nicht was ihre Kunden wollen!
Ebenfalls auf der Negativseite sind technische Entwicklungen wie 4K. Das wird nach meiner Einschätzung eher durch das Internet als durch Sendeanstalten (Ausnahme Sky Deutschland) kommen.

Sky Ultra HD Testproduktion

Sky Ultra HD Testproduktion

Aber Totgesagte leben länger oder auch:

All we hear is
Radio Gaga
Radio Goo Goo

(Song von Queen, Radio Ga Ga thematisiert die historische Bedeutung des Radios vor dem Aufkommen des Fernsehens – Wikipedia.)

You had your time.
You had your power.
You have yet to have
Your finest hour.

Die „finest hour“ war 1983, als dieser Song geschrieben wurde, schon lange vorbei. Den Höhepunkt des Radios gab es 1938 mit dem Hörspiel „Krieg der Welten“. Laut Wikipedia war die Wirkung wie folgt: „Das Hörspiel führte Zeitungsberichten zufolge zu heftigen Irritationen bei der Bevölkerung von New York, die teilweise das Hörspiel für eine authentische Reportage hielt und einen tatsächlichen Angriff Außerirdischer befürchtete.“
Radio hat sehr deutlich an Bedeutung verloren, jedoch in Nischen ist es immer noch mächtig.

Wann war die mächtigste Stunde des Fernsehens? Leider war dies der 11. September 2001. An diesem Tag schauten Millionen oder Milliarden Menschen schreckliche Bilder und wurden massengeschockt. An diesem Ereignis können wir zwei wesentliche Vorteile des Fernsehens sehen. Erstens der Übertragungsweg der Ausstrahlung erreicht auf recht einfachem Weg ein Millionen- bis Milliardenpublikum. Das heutige Internet würde über diese Datenmengen zusammenbrechen. Welcher technische Leiter eines Senders würde die Fußball-WM nur über das Internet verbreiten wollen? Ich denke KEINER!
Zweitens ist Fernsehen, auch heute noch, ein Massenmedium. Es erreicht dauerhaft, die größte Zuschaueranzahl, aller Medien. Hier haben wir die Besonderheit und die „Power“. Und es gibt viele Interessenverbände die gerne daran festhalten möchten. Die Generation 50+, die es so gewohnt ist und nichts ändern will. Die Fernsehschaffenden sowieso, sei es beim Sender, als Freier oder Auftragnehmer. Im letzten Jahr wurde mit den neuen Fernsehgebühren das öffentlich rechtliche System zementiert. Aber auch die Werbeindustrie und Politik wollen Massenmedien und werden sich für deren Erhalt einsetzen.

Also die Frage: Warum stehen Fernsehen und die handelnden Personen vor dem Aus? Diese Frage, gibt es für die nächsten Jahre nicht. Richtig ist, jetzt ist die Weichenstellung für die Mediennutzung der nächsten 10 Jahre. Doch selbst wer einfach weitermacht, als wäre nichts geschehen, wird – zunächst – am Fernsehleben erhalten. Und doch ist die Frage (Warum stehen Fernsehen und die handelnden Personen vor dem Aus?) berechtigt und eine mögliche Antwort ist: weil es keine Faszination mehr ausübt, weil die Bedürfnisse nicht getroffen werden.

Thomas Nowara (im roten Hemd) beim SCHNITTPUNKT UG Open House 2013

Thomas Nowara (im roten Hemd) beim SCHNITTPUNKT UG Open House 2013

Ich träume von einem Gerät das beides kann. Vielleicht weiß einer der Leser, ob es so ein Gerät jetzt schon gibt? Wenn ich so ein Gerät finde, wieviel meiner Zeit werde mit Fernsehen verbringen und wie schnell verliere ich die Geduld und bin es leid durch die Kanäle zu zappen und etwas für mich passendes zu suchen. Wie schnell bin ich bei Google und sage denen wofür ich mich interessiere?

Das Internet ist kein anderer Fernsehsender und Social Media besteht nicht nur aus 3 minütiges Webvideos. Aber §1 der Videoproduktion gilt auch im Netz: Du darfst nicht langweilen! Und auch wenn Social Net mit dem richtigen Mind Set betrieben wird und die Zuschauer verdammt viel schlechte Produktionsqualität ertragen, so gibt es auch hier eine Grenze wo es dann doch zu schlecht wird. Die Abwägung was will jeder einzelne noch ertragen muss jeder Zuschauer selbst fällen. So steht dann jedem Programmdirektor ein Empfangsdirektor gegenüber und Erfolg in dem neuen Medium geht dann doch wieder über das Handwerk, zu wissen was man tut, aber risikofreudiger, lebendiger vielleicht?

Radio
someone still loves you

Dem Thema Livestream werde ich einen extra Artikel widmen, der kommt schnellstmöglich. Versprochen!

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