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Ultra HD – Blick in die Zukunft der Film- und Videoproduktion

Thomas Nowara mit Neckpod

Thomas Nowara mit Neckpod

Angestoßen durch meinen Artikel „Gedanken zum Jahresende“ hat sich eine Diskussion zwischen Norbert Bolewski (ehemaliger Chefredakteur der FKT) und Thomas Nowara entwickelt. Dabei stand im Zentrum meiner Überlegungen, dass die Menschheit erstmals Wiedergabemöglichkeiten besitzt, die das Vermögen des Auges übersteigen. Das wird auch deutlich in den neuen höheren Auflösungen. Nach HD kommt Ultra HD. Das ist nicht zu verwechseln mit 4K. Aber da wird bestimmt einiges in den nächsten Jahren verwechselt. Den es gibt Ultra HD als 4K Ultra HD und als 8K Ultra HD.
Das kleine Format entspricht 4 x einem 1080 Signal und das größere 16 mal 1080. Das größere Signal habe ich vor Jahren schon auf der NAB gesehen und WAUW das Bild ist hyperreal. Im kleineren Format hat Sky Deutschland schon eine Testsendung gefahren. Dabei soll der Videoschnitt interessant gewesen sein, weil man in diesem Format wohl noch kein ausgewachsenes Schnittsystem besitzt.

Norbert Bolewski

Norbert Bolewski

Norbert Bolewski
Realistisch für die kommenden Jahre ist die UHD1 mit 3840×2160 Bildpunkten (das wird auch als 4K Ultra HD bezeichnet, 4K beim Digital Cinema sind 4096 x 2160 Bildpunkte). Aber auch da stellt sich die Frage, wie bringe ich die Auflösung zum Fernsehzuschauer und wo gibt es 4K Content. Die inzwischen erfolgte Standardisierung der beiden Systeme UHD1 und UHD2 war erst einmal ein guter Schritt. Aber in Zeiten knapper Kassen glaub ich nicht so schnell daran.

Thomas Nowara
Neben den üblichen Versuchen, wie bei der letzten Olympiade 2012 in London, incl. der Übertragung von Live Streams gibt es im Moment die Präsentation auf IBC und NAB. So soll Ultra HD auf der NAB 2013 präsentiert werden. Zudem wurde diese Verfahren aber auch schon von dem Privatsender Sky Deutschland getestet. Ich denke, dass da der Druck von den Privaten kommen könnte. Denn diese müssen ja beweisen, warum man sie in diesem Medienumfeld überhaupt braucht. Ich fand es toll als ich von den Versuchen von Sky Deutschland hörte.

Sky Ultra HD Testproduktion

Sky Ultra HD Testproduktion

Norbert Bolewski
Möglich, aber ich sehe das nicht so schnell. Noch sind die 4K-Fernseher nicht auf dem Markt, sie sollen noch um die 12.000 Dollar und mehr kosten. Es gibt defacto keinen Content außer den 4K-Filmen. Die TV-Studios werden nicht so schnell auf 4K umrüsten. Wie kommen die 4K Bandbreite zum Zuschauer? Es gibt eine große Anzahl an Fragen und vor allem Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen. Der optimale Abstand für die TV-Betrachtung bei 2K ist 3xH (H = Bildhöhe), bei 4K 1,5xH. Welcher Mensch will sich (optimal) sein Display im Wohnzimmer aus zum Beispiel 75 cm ansehen, 1,5 m reichen bei 2K (HDTV) und einer Bildhöhe von 50 cm und selbst diesen Abstand dürften die meisten Zuschauer als zu kurz empfinden (obwohl er korrekt wäre). Und, und, und. Ich könnte jetzt die Liste mit Unsicherheiten und vielen Fragen noch ziemlich lang werden lassen. Wie schnell sich das entwickeln wird ist reine Kaffeesatzleserei. Es ist gut, dass es den bzw. die Standards gibt, weil sie Sicherheit für eine wie auch immer geartete Roadmap für künftige technischen Weiterentwicklung bedeuten. Und den Rest sollten wir erst einmal abwarten und nicht wie bei 3D schon wieder in einen neuen Hype verfallen. Obwohl ich vermute, dass wir das zur IFA trotzdem erleben werden.

Thomas Nowara

Der Hype ist jetzt schon da. Die Pressemeldungen zur ISE 2013 verkünden von Gefen Ultra HD Produkte. Und zwar Splitter, Switcher und Matrix-Systeme für 4K Ultra HD. Andere Hersteller werden mitziehen.

Norbert Bolewski

Norbert Bolewski

Norbert Bolewski
Selbstverständlich gibt es entsprechende Produkte, und das Angebot wird zunehmen. Einige Mischer für Studio TV sind auch bereits 4K-tauglich. Es soll ja auch Sky mit ersten Versuchssendungen über Satelliten starten. Das alles sagt aber gar nichts über eine allgemeine Einführung aus. Ich vermute, dass das frühestens (!) in fünf Jahren so weit sein könnte. Und auch das scheint mir noch sehr optimistisch. Natürlich kann man 4K auch soweit komprimieren, dass man mit der heutigen Übertragungsbandbreite hinkommt. Aber das wäre doch Unsinn. Vielleicht gibt es auch bald einige wenige Sender mit HEVC-Codierung (DVB-S2), wenn in den 4K-Geräten entsprechende Decoder eingebaut sind. Wir haben ja heute noch oft (meistens?) nicht HD, wenn auch auf der Senderkennung HD zu lesen ist. Wir sollten uns erst einmal darauf konzentrieren wirklich überall HD anbieten zu können. Wer will, wird sich sicher schon im nächsten Jahr einen 4K-Fernseher anschaffen können, um dann vor allem SD- und HD-Sendungen auf 4K hochgerechnet zu sehen. Mit BluRay gehts nicht. Der Fernseher wird dann vielleicht wieder zum Prestigeobjekt. Diese Zeit gab es schon mal in den 1960er Jahren.

Der Beitrag erscheint auch hier: multimedia-view.de

PS: Die Sky Testproduktion erfolgte mit der Kamera Sony F65 35mm-Kamera, die Produktion erfolgte zusammen mit der Produktionsfirma Kropac Media.

Höhere Bildrate – Blick in die Zukunft der Film- und Videoproduktion

Blick in die Zukunft der Film- und Videoproduktion

Thomas Nowara mit Neckpod

Thomas Nowara mit Neckpod

Angestoßen durch meinen Artikel „Gedanken zum Jahresende“ hat sich eine Diskussion zwischen Norbert Bolewski (ehemaliger Chefredakteur der FKT) und Thomas Nowara entwickelt. Dabei stand im Zentrum meiner Überlegungen, dass die Menschheit erstmals Wiedergabemöglichkeiten besitzt die das Vermögen des Auges übersteigen. Eine weitere Verbesserung der Qualität bringt dem Zuschauer erst einmal nichts. Deshalb fragte ich mich, wie wird sich diese Tatsache auf technische Entwicklungen aber auch auf die Produktion und den Konsum auswirken?

Höhere Bildrate

Thomas Nowara
Ich habe in 2012 schon das Ende der technischen Entwicklung für die Film- und Fernsehindustrie gesehen. Wenn die Auflösung des Auges erreicht ist kann die Technik nicht besser werden. Aber siehe da, die Techniker und Filmemacher sind nun in der Lage neben der örtlichen Auflösung die sich in 2K, 4K oder höher wiederspiegelt nun sich der zeitlichen Auflösung, also höheren Bildrate zu widmen. Was das bringt? Eine immer bessere Abbildung der Wirklichkeit. Bild und das Abzubildende sind in der Qualität immer ähnlicher.

Norbert Bolewski

Norbert Bolewski

Norbert Bolewski
Höhere Bildrate: Eine immer bessere Abbildung der Wirklichkeit?
Nach den Versuchen bei Arri und nach dem Urteil einiger, die Versuchsaufnahmen mit 24 und 48 B/s gemacht haben, soll es sogar eine bemerkenswerte Verbesserung sein. Steht aber eigentlich im Gegensatz zu bisherigen traditionellen Erkenntnissen, dass gerade für die Bewegungsdarstellung eine gewisse Verschleifung der Bewegung (Bewegungsunschärfe) wichtig ist – bei realen Bilder. Ganz anders bei Computer Graphics oder “Einzelbild-Trickfilm”. Hier war die höhere Bildfrequenz immer schon richtiger, eben weil es keine Bewegungsverschleifung gab.
Übrigens bin ich beim Hobbit-Film unsicher. Meinen die 48 B/s mit 2K, das sieht ja die DCI-Spezifikation (vor allem im Hinblick auf 3D) vor. Bei 4K sieht die Norm nur 24 B/s vor. Natürlich lässt sich solch eine Norm erweitern, aber die Übertragungsrate verdoppelt sich dann von 250 auf 500 Mbit/s. Das ist nicht mehr normgerecht mit der Konsequenz, dass die Digital-Cinema-Anlagen in die Knie gehen (können). Wird der Hobbit bei uns mit 48 B/s mit 2K abgespielt oder so wie er aufgenommen wurde, in 4K. Ich weiß es im Moment nicht.

Thomas Nowara mit Neckpod

Thomas Nowara mit Neckpod

Thomas Nowara
Ich denke das sich hier ein neues Forschungsfeld ergibt. Das sind jetzt begründete Vermutungen, die auch auf der von mir mitbetreuten Diplomarbeit über Bewegung beruhen. Ich denke wir brauchen bei niedrigen zeitlichen Auflösungen wie im Film, also bei 24 Bilder pro Sekunde die durch die Flügelblende verdoppelt wird, da brauchen wir die Unschärfen um ein fließenden Übergang von Bild zu Bild zu erzeugen. Und wir erzeugen so den heißgeliebten Kino-Look. Gehen wir höher (50-100 B/s) werden wir zunächst nicht wirklich glücklich, weil die Bildfrequenz nicht Fleisch noch Fisch ist. Dann wieder bei 150 oder mehr sehen wir eine neuartige Verschmelzung die auch ein neuartiges Bild (sehr real und scharf) erzeugt. Aber wie gesagt das ist eine begründete Vermutung, die ich gerne im Rahmen einer Diplomarbeit (oder ähnliches) getestet sehen würde.
Zudem wäre es gut an dieser Stelle den Hobbit Film genauer anzusehen. Ich kann nur sagen ich war drin und mir ist nichts aufgefallen.

Norbert Bolewski

Norbert Bolewski

Norbert Bolewski
Nichts aufgefallen, also auch nicht die 48 B/s? Es scheint mir aber durchaus möglich, dass 48 B/s generell bei Bewegungen besser wirken. Beim Film stellte sich die Frage in der Realität nicht (obwohl es auch schon entsprechende Versuchsfilme gab). Grund war die sich ergebende Verdoppelung der Menge des Aufnahmematerials und vor allem der Kopienlänge (statt rund 3000 m für einen Spielfilm ergäben sich dann 6000) Das gäbe abgesehen von der Wirtschaftlichkeit auch deutlich größere Probleme beim Handling im Vorführraum. Bei der Digitalen Kopie ergibt sich natürlich die doppelte Datenmenge, aber das wäre heute wohl ohne größere Probleme handhabbar. Auch die Datenrate bei der Übertragung der Daten vom Server zum Projektor stellt heute kein wirkliches Problem dar, aber die Anlagen müssen dazu in der Lage und zertifiziert sein. Ich glaube aber auch, dass hier noch einige Untersuchungen nötig sind, um die tatsächlichen technisch-qualitativen Verbesserungen abschätzen und in Relation zur Wirtschaftlichkeit zu stellen. Aber es wäre sehr viel leichter realisierbar als beim Film, zumal ja auch die DCI-Kopie bereits datenkomprimiert ist und modernere Komprimierungsmethoden anwendbar wären. Aber Vorsicht bei einer Aufweichung des Standards, sonst landen wir irgendwann wie beim Fernsehen auf zig unterschiedlichen Komprimierungsverfahren und das wäre höchst kontraproduktiv.

Thomas Nowara
Manchmal genügt es sich nochmal anzuschauen was man schon einmal gemacht hat. In dem Buch von Anjo Steber, Prof.Thomas Bonse und mir wird die zeitliche Auflösung sehr gut auf den Seiten 48ff beschrieben. Dabei wird zum einen auf eine Untersuchung von Douglas Trumbull verwiesen der sagt: „das für den menschlichen Verstand 60 Bilder pro Sekunde die ideale Bildfrequenz ist“. Zum anderen wurden selbst praktische Versuche gemacht die aufzeigen, dass bei einer Erhöhung der Bildfrequenz die dargestellte Person (ein Sportler) deutlicher zu erkennen ist.
Der Unterschied zwischen Auge und Kamera ist das wir einen kontinuierlichen Bilderstrom sehen und bei der Kamera immer eine Austastlücke sein muß. Diese ist z.B. notwendig um die Ladungen des Bildchips zu verschieben oder den Filmstreifen zu transportieren. D.h. Film und Auge werden immer unterschiedlich funktionieren, aber die Abbildung gewinnt durch die höhere Bildfrequenz. Da bin ich mir sicher.

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