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Moral, persönliche Entscheidung und Institutionen / Hirnforschung zu Epilepsie

Herrn Prof. Falk bin ich durch meine Filmarbeiten über ihn verbunden. Er ist einer der wenigen Forscher der in dem Bereich Wirtschaftswissenschaften tatsächlich auch reale Menschen zum Ausgangspunkt der Forschung macht. Für ähnliche Ansätze wurde übrigens in diesem Jahr (2013) der Nobelpreis für Wirtschaft vergeben. Den ansonsten geht der Wirtschaftsforscher von einem vernünftiges Menschen aus, der wir in Realität nicht sind. (Thomas Nowara)

Prof. Dr.Armin Falk, Bildquelle: Uni Bonn

Prof. Dr.Armin Falk, Bildquelle: Uni Bonn



EU fördert Forscher der Uni Bonn mit Millionen

Der Ökonom Prof. Dr. Armin Falk und der Hirnforscher Prof. Dr. Istvan Mody erhalten ERC Advanced Grants

Gleich zwei renommierte Wissenschaftler erhalten für ihre Forschung an der Universität Bonn Advanced Grants des Europäischen Forschungsrats. Damit ist eine Förderung in Millionenhöhe aus Brüssel verbunden. Der Ökonom Prof. Dr. Armin Falk will mit dieser Unterstützung der Frage nachgehen, wie moralisches Verhalten durch Institutionen beeinflusst wird. Der Hirnforscher Prof. Dr. Istvan Mody, derzeit noch in Los Angeles (USA), führt in der Experimentellen Epileptologie am Bonner Universitätsklinikum eine neuartige Technik ein, mit der sich die Verschaltung von Neuronen beobachten lässt.

Für den Ökonomen Prof. Dr. Armin Falk von der Universität Bonn ist es gleich eine doppelte Auszeichnung: Er ist einer der wenigen Wissenschaftler, die nach einem Starting Grant des Europäischen Forschungsrats (ERC) im Jahr 2007 nun auch noch einen ERC Advanced Grant erhalten. Die Europäische Union fördert den renommierten Wissenschaftler in den nächsten fünf Jahren mit knapp 1,7 Millionen Euro. „Der ERC Advanced Grant stellt eine besondere Auszeichnung dar, über die ich mich sehr freue und die meine Arbeit und die meines Teams bestätigt“, sagt Prof. Falk. Die Förderung ermöglicht dem Ökonomen, Experimente zur Frage nach den Ursachen moralischer Erosion durchzuführen.

Wie geraten Verantwortung und Moral ins Hintertreffen?

Im geförderten Forschungsprojekt geht Prof. Falks Team der Frage nach, wie moralisches Verhalten durch Institutionen beeinflusst wird. Ausgangspunkt der Überlegung ist, dass Menschen nicht notwendig bestimmten Prinzipien folgen. „Der Entscheidungskontext formt moralische Überlegungen, zum Beispiel in dem er Ausreden ermöglicht“, sagt Prof. Falk. Eine typische Ausflucht sei: „Wenn ich ein ethisch problematisches Gut nicht kaufe, tut es jemand anderes.“ Konkret sollen verschiedene Institutionen und Organisationsformen sowie Mechanismen untersucht werden, die dazu beitragen, dass Verantwortung und Moral ins Hintertreffen geraten. Die Ergebnisse könnten dazu beitragen, dass Institutionen hinsichtlich ihrer Verantwortung besser gestaltet werden, betont der Ökonom, der auch mit dem Leibniz-Preis und zahlreichen weiteren Preisen ausgezeichnet wurde.

3,5 Millionen Euro für neue Wege in der Hirnforschung

Eine Förderung von fast 3,5 Millionen Euro erhält der voraussichtlich im Februar 2014 mit Hilfe eines ERC Advanced Grants in der Experimentellen Epileptologie am Life & Brain Zentrum des Universitätsklinikums Bonn neue Wege in der Hirnforschung geht. Der US-amerikanische und kanadische Wissenschaftler ist Professor für Physiologie und Neurologie an der UCLA School of Medicine in Los Angeles (USA). Seit langem arbeitet er mit den Forschern um Prof. Dr. Christian Elger, Direktor der Klinik für Epileptologie des Universitätsklinikums Bonn, und Prof. Heinz Beck von der Experimentellen Epileptologie zusammen. Es lag also nahe, die fruchtbare Kooperation zu intensivieren. Außerdem möchte Prof. Mody auch mit dem Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen unter der Leitung von Prof. Dr. Pierluigi Nicotera zusammenarbeiten.

 Prof. Dr. Istvan Mody, Bildquelle: Uni Bonn

Prof. Dr. Istvan Mody, Bildquelle: Uni Bonn

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„Die Förderung durch den ERC Advanced Grant ist für mich sehr wichtig, weil sie innovative Projekte mit höherem Risiko ermöglicht“, sagt Prof. Mody. Am Bonner Universitätsklinikum möchte er eine neue Methode entwickeln und etablieren, mit der sich zum Beispiel die Verschaltung neu entstandener Neuronen im epileptischen Gehirn untersuchen lässt. „Die Funktion des Zentralnervensystems ist nur zu verstehen, wenn das Zusammenspiel der Aktivitäten großer neuronaler Netzwerke in hoher zeitlicher Auflösung bekannt ist“, sagt Prof. Mody. Mit der neuartigen Technik „MULTIGEVOS“ möchte er genetisch verschiedene Gehirnzellen einfärben und ihnen auf diese Weise gleichzeitig zeitlich hochaufgelöst bei der Arbeit zusehen.

Prof. Mody studierte in Rumänien Medizin und spezialisierte sich an der University of British Columbia (Kanada) auf Physiologie und Neurologie. Nach Stationen an der Stanford University School of Medicine und am U.T. Southwestern Medical Center (USA) ist er seit 1995 Professor an der UCLA School of Medicine. Er wurde mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt, darunter dem Epilepsy Research Award der American Epilepsy Society und den Jacob Javits Neuroscience Investigator Award der NIH/NINDS.

Uni Bonn zählt zu den führenden Einrichtungen bei den ERC Grants

Seit 2007 fördert der Europäische Forschungsrat (ERC) mit seinen Grants herausragende Wissenschaftler. Mit den ERC Starting Grants werden junge, innovative Forscher unterstützt, die eine eigene Forschergruppe aufbauen wollen. Mit den Advanced Grants werden dagegen etablierte Spitzenforscher ausgezeichnet. „Die Bonner Universität zählt zu den führenden Einrichtungen in der Einwerbung dieser begehrten EU-Mittel“, sagt Dr. Ulrike Pag von der Förderberatung der Universität Bonn.

Kontakt:

Prof. Dr. Armin Falk
Laboratorium für experimentelle Wirtschaftsforschung
Center for Economics and Neuroscience
der Universität Bonn
E-Mail: armin.falk@uni-bonn.de

Prof. Dr. Istvan Mody
The David Gaffen School of Medicine at UCLA
Los Angeles
E-Mail: mody@ucla.edu

Thomas Nowara war einer der geistigen Väter von www.uni-bonn.tv und hat diesen Kanal mit aufgebaut.

Hirnforschung: Großer Aufwand – große Erwartung

Fließbach-PP-Rolf-Müller


Wer hart arbeitet, will auch entsprechend dafür belohnt werden. Diese Regel wird offenbar im Gehirn des Menschen ganz automatisch befolgt. Das haben Wissenschaftler des Center for Economics and Neuroscience (CENs) der Universität Bonn gezeigt. Bei Probanden, die schwierige mathematische Aufgaben lösen mussten, hing die Aktivität in belohnungsverarbeitenden Gehirnarealen stärker von der Höhe der Belohnung ab als nach leichten Aufgaben. Die Studie ist nun im Journal „Social Cognitive and Affective Neuroscience“ erschienen.

Stehen Aufwand und Ertrag im richtigen Verhältnis? Dieser Frage folgen praktisch alle Lebewesen bei ihren Entscheidungen. „Ein Tier muss automatisch die Anforderung befolgen, nicht mehr Energie in die Futtersuche zu investieren, als Beute im Gegenwert zu erwarten ist – das ist schlicht ein Prinzip des Überlebens“, sagt Privatdozent Dr. Klaus Fließbach vom Center for Economics and Neuroscience (CENs) der Universität Bonn, der nun am Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) in Bonn forscht. Auch der Mensch folgt erfahrungsgemäß dieser Regel, selbst wenn es nicht um Leben oder Tod geht: Wer sich im Job richtig anstrengt, gibt sich meist nicht mit einem lauwarmen Händedruck als Belohnung zufrieden.

Probanden lösen verschieden schwere Rechenaufgaben

Wie diese Entscheidungsprozesse im Gehirn ablaufen, testeten die Wissenschaftler der Universität Bonn zusammen mit Kollegen der Universität Düsseldorf an insgesamt 28 Probanden. Im Hirnscanner mussten sie mathematische Aufgaben lösen, die hinsichtlich ihres Schwierigkeitsgrades sehr unterschiedlich waren. Sobald die Aufgabe auf der Videobrille vor den Augen eingeblendet wurde, begannen die Testpersonen zu rechnen. Anschließend wurden verschiedene Ergebnisse zur Auswahl angezeigt, die Testpersonen mussten binnen Sekunden das richtige auswählen. Im Erfolgsfall bekamen die Probanden eine Belohnung zwischen fünf und 35 Euro.

Bei der Belohnung ist Frustration programmiert

„Allerdings wurde die Belohnung nicht an den Schwierigkeitsgrad der Rechenaufgabe angepasst, sondern rein zufällig gewählt“, berichtet Katarina Kuss vom CENs, die zusammen mit Julien Hernandez-Lallement die Erstautorenschaft der Publikation übernommen hat. Damit wurden die Erwartungen der Testpersonen an die Belohnung teilweise enttäuscht. Doch selbst wer für eine vergleichsweise leichte Aufgabe sehr gut entlohnt wurde, konnte noch leer ausgehen: Die Probanden mussten zumindest einen Teil ihres Gewinns in Form einer unfreiwilligen „Spende“ wieder abgeben. „Auch die Spendenhöhe war jeweils zufällig gewählt“, sagt die Erstautorin. „Das bedeutete im Maximalfall den Verzicht auf den kompletten Betrag, der bei einer Aufgabe eingenommen wurde.“

Belohnungszentren sind bei hoher Erwartung besonders aktiv

Die Wissenschaftler verfolgten während des Rechnens und Spendens mit dem funktionellen Magnetresonanztomografen die Aktivität der verschiedenen Areale in den Gehirnen der Probanden. „Dabei zeigte sich, dass die Höhe einer Belohnung umso wichtiger wird, je größer die Anstrengung bei der Rechenaufgabe war“, berichtet Dr. Fließbach. „Hingegen ist die Höhe der Entlohnung nicht so entscheidend, wenn der Aufwand zuvor gering war.“ Die Forscher registrierten insbesondere in den Belohnungszentren – dem anterioren cingulären Cortex und dem Nucleus accumbens – eine erhöhte Aktivität, wenn die Rechenaufgabe schwierig und die Belohnung hoch war. Wurde hingegen ein hoher Anteil des erworbenen Betrags in Form der erzwungenen „Spende“ wieder abgezogen, war das Signal in der Inselrinde besonders groß. In dieser Hirnstruktur werden negative Emotionen und Frustrationen verarbeitet.

Ergebnisse sind für Verhaltensökonomie und Wirtschaftsleben wichtig

„Die Ergebnisse sind sehr relevant für die verhaltensökonomische Forschung“, sagt Dr. Fließbach. „Probanden verhalten sich anders, wenn sie Geld geschenkt bekommen, als wenn sie sich dafür anstrengen müssen.“ Dies müsse bei Versuchsanordnungen berücksichtigt werden. Für das Wirtschaftsleben zeige das Experiment, dass mit Leistung auch klare Belohnungserwartungen verbunden sind. Es handelt sich dabei möglicherweise um kein erworbenes Verhalten. „Die Tatsache, dass sich dieser Effekt durch eine einfache Manipulation unmittelbar im Gehirn nachweisen lässt, legt nahe, dass dies ein grundlegender, automatisierter Mechanismus ist, der ohne bewusstes Nachdenken abläuft“, sagt der Wissenschaftler.

Publikation: Effort increases sensitivity to reward and loss magnitude in the human brain, Journal “Social Cognitive an Affective Neuroscience”, DOI: 10.1093/scan/nss147

Kontakt:

Privatdozent Dr. Klaus Fließbach
Deutsches Zentrum für
Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE)
& Klinik und Poliklinik
für Psychiatrie und Psychotherapie
Tel.: 0228/287-11220
E-Mail: Klaus.Fliessbach@ukb.uni-bonn.de

Katarina Kuss
Center for Economics and Neuroscience (CENs)
Tel: 0228/73-8287
E-Mail: kkuss@uni-bonn.de